Corona-Krise: Weitere Maßnahmen zum Schutz von Unternehmen erforderlich

Presse­mitteilung 006/2020 - Berlin, 16.04.2020

Die Corona-Krise ist ein Stresstest für die deutsche Wirtschaft und stellt somit auch Steuer­berater und Wirtschafts­prüfer vor große Heraus­forderungen. Die Bundes­steuer­berater­kammer (BStBK) und die Wirtschafts­prüfer­kammer (WPK) fordern demnach in ihrem gemein­samen 9 Punkte-Plan an das Bundes­finanz­ministerium zusätzliche steuerliche und verfahrens­rechtliche Maß­nahmen, die Unternehmen, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer unterstützen.


Das Bundes­finanz­ministerium brachte zwar bereits erste steuerliche Maß­nahmen auf den Weg, BStBK und WPK sehen aber noch akuten Handlungs­bedarf und fordern weitere Schritte:


Meldepflichten und Strafzahlungen zeitlich befristet aussetzen
BStBK-Präsident Prof. Dr. Hartmut Schwab: „Die Unternehmen haben Existenzängste und unser Berufsstand arbeitet aktuell am Limit, um allen Pflichten und Fristen nachzukommen. Für uns ist es unver­ständlich, warum die Bundes­regierung weiterhin bspw. an Meldepflichten für grenz­überschreitende Steuer­gestaltungen und an Sanktionen bei nicht einge­haltenen Fristen festhält. Es ist zwingend erforderlich, diese Pflichten und Strafzahlungen bis auf Weiteres auszusetzen, um Berufsstand und Unternehmen zu entlasten.“


Bundesweite Stundung der Lohnsteuer
Positiv bewerten die beiden Organisa­tionen, dass die Bundes­regierung Unternehmen Steuer­­stundungen ermöglicht. Sie können bspw. die Einkommen- und Körperschaft­steuer stunden lassen. Dies greift aber zu kurz, denn eine bundes­einheitliche Regelung zur Lohnsteuer­stundung ist bislang nicht geplant. „Es darf bei der Umsetzung von Steuer­stundungen keinen Flicken­teppich geben: Wir fordern hier eine bundesweit einheitliche Lösung für die Stundung der Lohnsteuer, um die Zukunft aller Unternehmen zu sichern,“ so Schwab.


Bisherige Regelung für Verlust­verrechnung lockern
Um Unternehmen schnell und unbüro­kratisch die benötigte Liquidität zu verschaffen, ist es notwendig, die in der Krise entstanden Verluste mit den Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen zu können. Die schnellste und effektiv­ste Lösung ist, wenn die zuletzt gezahlte Steuer auf bereits erzielte Gewinne mit form­losem Antrag umgehend erstattet würde. Schwab: „Wir fordern, den Zeitraum für den Verlust­rücktrag von einem auf zwei Jahr zu verlängern und den Umfang des Rücktrags auf 4.000.000 Euro zu erhöhen. Das Bundes­finanz­ministerium sollte diesen Handlungs­bedarf erkennen und das Thema zeitnah angehen.“


Keine nachteiligen Aus­wirkungen auf Steuer­erleichterungen 
In bestimmten Fällen können Unternehmen Steuer­vorteile bspw. für geplante Investi­tionen erhalten, müssen diese aber auch in einem be­stimmten Zeitraum umsetzen. In der aktuellen Corona-Krise müssen Unternehmen aber vermehrt bereits geplante Investi­tionen verschieben, um sich wirtschaftlich „über Wasser zu halten“. Schwab: „Dieser Aufschub ist nicht freiwillig, sondern existenziell. Daraus dürfen für die Unternehmen keine steuerlichen Nachteile entstehen, auch wenn sie für die geplanten Investi­tionen vorab Steuer­erleichterungen erhalten haben.“


Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind gleichermaßen erste Ansprechpartner der Unternehmen für alle Fragen rund um die wirtschaft­lichen Auswirk­ungen der Corona-Krise. Die genannten Forderungen verschaffen Berufs­stand und vor allem Mandanten mehr Handlungs­spielraum, um die Krise zu meistern.


Der komplette 9-Punkte-Plan von BStBK und WPK ist als Anlage dieser Pressemitteilung verfügbar.