Stellungnahme/Eingabe

2014

Stellungnahme der Bundessteuerberaterkammer an das KURATORIUM DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT FÜR BERUFSBILDUNG zu den Plänen zur Einführung eines neuen Ausbildungsberufs „Fachangestellte/r für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision“

07.08.2014



Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei erhalten Sie unsere Stellungnahme zu Ihrer Kenntnis.

Mit freundlichen Grüßen
i. A.

Moritz Alt, EMBA

Anlage

Stellungnahme zu den Plänen zur Einführung eines neuen Ausbildungsberufs „Fachangestellte/r für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision“

I.        Begründung des neuen Ausbildungsberufs „ Fachangestellte/r für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision“ durch das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) und des Deutschen Instituts für Interne Revision (DIIR)

Das IDW und der DIIR haben beim Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung (KWB) einen Antrag auf Schaffung eines neuen Ausbildungsberufs gestellt.

Ausweislich der eingereichten „Eckwerte zum neuen Beruf Fachangestellte/r für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision“ gliedert sich der Katalog der im Rahmen der Ausbildung zu erlernenden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in vier Abschnitte.

Der Abschnitt A gliedert sich in die Bereiche Arbeitsorganisation und Prüfungsprozess. Im Rahmen des Prüfungsprozesses soll die/der Auszubildende zunächst „die wesentlichen Prüfungsgebiete der Wirtschaftsprüfung und der Internen Revision“ erlernen. Darüber hinaus soll er Tätigkeiten im Rahmen der Prüfungsvorbereitung, Prüfungsdurchführung, des Prüfungsabschlusses und der Prüfungsnachbereitung erlernen. Dies schließt beispielsweise bei der Prüfungsdurchführung die Prüfungstechnik, Risikoanalyse, Kontrollprüfung und aussagebezogene Prüfungshandlungen ein.

Im Abschnitt B werden zudem vertiefend zu erlernende Fertigkeiten beschrieben, unter anderem die rechtliche Einordnung des Prüfungsauftrags, die Einhaltung von Bilanzierungsvorschriften, die Einhaltung steuerlicher Vorschriften und die Durchführung von Prüfungshandlungen.

Abschnitt C beschreibt ebenfalls vertiefend zu erlernende Fertigkeiten in der Fachrichtung Interne Revision. Unter anderem wird hier die „Entwicklung von Prüfungsstrategie und Prüfungsansatz in der Internen Revision“ beschrieben.

Abschnitt D nennt neben dem Ausbildungsbetrieb und der Arbeitsorganisation die Fähigkeit, eine Fremdsprache bei Fachaufgaben anzuwenden.

Begründet wird der Bedarf an der/dem „Fachangestellten für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision“ unter anderem mit dem nicht mehr ausreichenden akademischen Nachwuchs.

Ziel der Ausbildung soll es sein, die Auszubildenden zu einer qualifizierten eigenverantwortlichen Tätigkeit zu befähigen. Daneben will die Ausbildung eine generalistisch ausgerichtete Grundlagenqualifikation ermöglichen. Spezialisierungen sollen über die betriebliche Praxis hinaus im Rahmen beruflicher Weiterbildungsmaßnahmen erfolgen.

Geeignete Bewerber sollen solche sein, die mindestens über einen mittleren Bildungsabschuss verfügen.

Was die Überschneidung der Ausbildungsinhalte der/des Fachangestellten für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision mit denen der/des Steuerfachangestellten angeht, wird eingeräumt, dass diese zwar vorhanden sei, aber ein Bezug zu prüferischen Tätigkeiten fehle. Auch würde die Komplexität des deutschen Steuerrechts, der Wirtschaftsprüfung und der Internen Revision einer eigenständigen Fachrichtung in einem gemeinschaftlichen Ausbildungsberuf entgegenstehen.

II.       Bewertung

  1. Ausbildungsinhalte

Die Ausbildungsinhalte weisen über weite Strecken eine große Nähe zu den Ausbildungsinhalten der/des Steuerfachangestellten auf.

Dies gilt zunächst für den Abschnitt A 1 „Arbeitsorganisation“, sowie D 1 bis 3 „Integrative Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten“. Hierbei handelt es sich um grundlegende Fähigkeiten, welche in einer Vielzahl von Ausbildungsberufen zu erlernen sind. Bei Steuerfachangestellten finden sich diese in § 3 Nr. 1 bis 3 der Verordnung über die Berufsausbildung zur/zum Steuerfachangestellten.

Im Abschnitt B „Fachrichtung Wirtschaftsprüfung“ finden sich in sämtlichen Unterabschnitten 1 bis 4 starke Parallelen zur Ausbildung der/des Steuerfachangestellten. So finden sich in Nr. 2 mit „ Einhaltung von Bilanzierungsvorschriften“ und Nr. 3 „Einhaltung von steuerrechtlichen Vorschriften“ ausschließlich Fertigkeiten, die auch ein/e Steuerfachangestellte/r zu erlernen hat.

Auf diesen Umstand weisen die Verfasser auch selbst hin, wenn sie erläutern, dass für die Fachrichtung Wirtschaftsprüfung Grundkenntnisse des Steuerrechts unentbehrlich seien.

Im Ergebnis verbleibt somit einzig der Abschnitt C „Interne Revision“, der zunächst keinerlei Überschneidungen zu den Ausbildungsinhalten einer/eines Steuerfachangestellten aufweist. Bei genauerer Betrachtung wird aber auch hier erkennbar, dass die Ausbildung einer/eines Steuerfachangestellten durchaus eine tragbare Grundlage für Fertigkeiten der Internen Revision darstellt. Denn im Rahmen seiner Tätigkeit lernt die/der Steuerfachangestellte beispielsweise durch die Buchführung, das Rechnungswesen und die Finanzbuchhaltung grundlegende Funktionsweisen eines Unternehmens. Sie/er lernt, wie Prozesse in Unternehmen ablaufen und wie diese funktionieren. Diese Kenntnisse sind Voraussetzung, um – im Rahmen der Internen Revision – interne Prozesse verstehen und optimieren zu können.

  1. Inhaltlich überzogene Anforderungen an die Auszubildenden

Der Gesamtkatalog von Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten, die ein Auszubildender für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision erlernen soll, sind für eine nicht akademische Berufsausbildung aufgrund der überhöhten Anforderungen ungeeignet.

Deutlich wird dies etwa bei der Betrachtung des Unterabschnitts „Prüfungsprozess“ in Abschnitt A sowie des Unterabschnitts „Durchführung von Prüfungshandlungen“ im Abschnitt B. Die hier zu erlernenden Fähigkeiten sind für eine Ausbildung, die sich an Auszubildende mit mittlerem Schulabschluss wendet, viel zu umfangreich. Vor diesem Hintergrund erscheint es allenfalls denkbar, im Anschluss an eine Ausbildung zur/zum Steuerfachangestellten eine Fortbildung im Bereich Wirtschaftsprüfung anzustreben.

Deutlich wird dies auch, wenn über die soeben genannten Fähigkeiten hinaus auch noch vertiefende Kenntnisse der Internen Revision hinzukommen sollen.

Die Komplexität steigt auch noch dadurch, dass die/der Auszubildende in der Lage sein soll, eine Fremdsprache bei Fachaufgaben anzuwenden. Gerade die Fachsprache auf dem Gebiet des (internationalen) Rechnungswesens und Steuerrechts zeichnet sich aber durch große Komplexität aus. Auch dies ist für eine Ausbildung, die sich an Bewerber mit mittlerem Schulabschluss wendet, überzogen.

Im Ergebnis erscheinen die Anforderungen nicht ansatzweise für einen Absolventen mit einem mittleren Schulabschluss geeignet. Wenn die Autoren in ihrem Papier auf Seite sieben ausführen, dass die Tätigkeiten, die ein/e Fachangestellte/r für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision durchführen soll, heute auch von Hochschulabsolventen ausgeführt werden, gehen sie offensichtlich auch selbst davon aus, dass sich die Ausbildungsinhalte nur auf der Grundlage eines Hochschulabschlusses absolvieren lassen.

  1. Fachkräftemangel kein tragbares Argument für die Schaffung eines neuen Ausbildungsberufs

Begründet wird die Notwendigkeit eines neuen Ausbildungsberufs auch mit dem den gesamten Arbeitsmarkt betreffenden Fachkräftemangel. Wobei der Bedarf von 500 Stellen tatsächlich für einen Ausbildungsberuf sehr gering ist. Die Zahl der jährlich ausgebildeten Steuerfachangestellten ist 12-mal so hoch.

Die Schaffung eines neuen Ausbildungsberufs ist im Übrigen für die Erreichung dieses Ziels ungeeignet. Der Fachkräftemangel zieht sich durch nahezu alle Bereiche des deutschen Arbeitsmarktes und wird nicht dadurch beseitigt, dass neben einem akademischen Zugang nun ein weiterer Zugang ohne akademische Vorbildung geöffnet wird. Vielmehr steht zu befürchten, dass der Mangel, der bereits bei Steuerfachangestellten herrscht, durch die Schaffung eines neuen Ausbildungsberufs noch verstärkt wird. Auf die Arbeit der Steuerfachangestellten sind aber auch die Wirtschaftsprüfer, die zu 83 % auch Steuerberater sind, angewiesen.

Durch den neuen Beruf wird die Gesamtzahl der Auszubildenden des Berufsstands der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer auch nicht vergrößert. Damit besteht die Gefahr, dass es zu einer unnötigen Verringerung der Auszubildenden bei den Steuerfachangestellten kommt.

  1. Zersplitterung der Ausbildung im Bereich Steuern/Wirtschaftsprüfung

Unzweifelhaft stellt der Ausbildungsrahmenplan für Steuerfachangestellte die Grundlagen auf, um sowohl im Bereich Wirtschaftsprüfung als auch im Bereich Interne Revision erfolgreich tätig zu sein. Vor diesem Hintergrund ist eine Aufteilung in unterschiedliche Ausbildungen für potenzielle Auszubildende problematisch. Denn die zu erlernenden Inhalte gleichen sich über weite Strecken. Eine solche Zersplitterung ist weder für den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer noch für die Steuerberater von Vorteil.

  1.   Unklarheiten bezüglich der zuständigen Stelle

Das Papier gibt keinerlei Auskünfte darüber, wer für den Ausbildungsberuf als zuständige Stelle fungieren soll. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund problematisch, dass es nach Angabe der Autoren einen sehr geringen Bedarf an Auszubildenden gibt, der dann deutschlandweit die Möglichkeit haben müsste, eine zuständige Stelle in seiner Nähe zu haben.

III.      Fazit

Im Ergebnis sieht die Bundessteuerberaterkammer damit aus den nachfolgenden fünf Gründen keine Notwendigkeit für die Schaffung eines neuen Ausbildungsberufs „Fachangestellte/r für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision“:

  1. Die dargelegten Ausbildungsinhalte des „Fachangestellte/r für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision“ überschneiden sich in weiten Teilen mit denen der/des „Steuerfachangestellten“.
  2. Der Gesamtkatalog von Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten, die ein Auszubildender für Wirtschaftsprüfung und Interne Revision erlernen soll, sind für eine nicht akademische Berufsausbildung aufgrund der überhöhten Anforderungen ungeeignet.
  3. Der in nahezu allen Ausbildungsberufen vorherrschende Fachkräftemangel in den Kanzleien der Wirtschaftsprüfer und der festgestellte Bedarf von lediglich 500 Auszubildenden kann nicht als Argument für die Schaffung eines neuen Ausbildungsberufs herangezogen werden.
  4. Durch einen weiteren Ausbildungsberuf wird die Ausbildung im Bereich Steuern/Wirt-schaftsprüfung unnötig zersplittert.
  5. Unklar ist bisher, wer als zuständige Stelle im Sinne des Berufsbildungsgesetzes die Ausbildung durchführen und überwachen soll. Gerade der geringe Bedarf von lediglich 500 Auszubildenden lässt befürchten, dass die Organisation einer zuständigen Stelle bundesweit nicht möglich ist.

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