Stellungnahme/Eingabe

2015

Stellungnahme der Bundessteuerberaterkammer zum Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der aufsichts- und berufsrechtlichen Regelungen der Richtlinie 2014/56/EU sowie zur Ausführung der entsprechenden Vorgaben der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 im Hinblick auf die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse

01.10.2015



Sehr geehrter Herr Dr. Ramsauer,

wir nehmen hiermit die Gelegenheit wahr, zu dem o. g. Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Unsere Stellungnahme beschränkt sich auf solche Punkte, von denen der steuerberatende Beruf – jedenfalls mittelbar – betroffen sein könnte.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass im Interesse der Unabhängigkeit und hohen Qualität der gesetzlichen Abschlussprüfung an den Regelungen zur Kapitalbindung bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften festgehalten werden soll. Dies ist vor dem Hintergrund der kritischen Haltung der EU-Kommission auch im Hinblick auf die Regelung zur Kapitalbindung bei Steuerberatungsgesellschaften ein positives und wichtiges Signal.

Auch ist es zu begrüßen, dass im Rahmen der Mitgliedstaatenoptionsrechte von den europarechtlich zugelassenen Delegationsmöglichkeiten auf die Wirtschaftsprüferkammer weitestgehend Gebrauch gemacht und damit die Selbstverwaltung der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer soweit wie möglich erhalten werden soll. Unter dem Gesichtspunkt des Erhalts der Selbstverwaltung bedenklich ist dagegen die vorgesehene Möglichkeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, durch Rechtsverordnung konkretisierende Berufsausübungsregelungen anstelle der Wirtschaftsprüferkammer zu erlassen.

Im Einzelnen verweisen wir auf unsere beigefügte Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen
i. A. Thomas Hund
stellv. Hauptgeschäftsführer

Anlage

Stellungnahme der Bundessteuerberaterkammer zum Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der aufsichts- und berufsrechtlichen Regelungen der Richtlinie 2014/56/EU sowie zur Ausführung der entsprechenden Vorgaben der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 im Hinblick auf die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse

 

1.       §§ 4, 57 Abs. 4a WPO-E

Aus unserer Sicht ist es sehr bedauerlich, dass die novellierte Abschlussprüferrichtlinie und die neue Verordnung über spezifische Anforderungen an die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse weitere Einschnitte im Bereich der Selbstverwaltung des wirtschaftsprüfenden Berufs vorschreiben. In unseren Stellungnahmen zur Abschlussprüferrichtlinie hatten wir uns im Interesse des deutschen Systems der berufsständischen Selbstverwaltung stets gegen diese Pläne ausgesprochen.

Vor dem Hintergrund dieser neuen europäischen Vorgaben begrüßen wir, dass von den europarechtlich zugelassenen Delegationsmöglichkeiten auf die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) weitestgehend Gebrauch gemacht und damit die Selbstverwaltung der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer soweit wie möglich erhalten werden soll. Dies gilt insbesondere für die Beibehaltung der Satzungskompetenz der WPK und der Zuständigkeit für die Führung der Berufsaufsicht hinsichtlich solcher Mandate, die nicht Unternehmen von öffentlichem Interesse betreffen. Die wesentlichen Selbstverwaltungsaufgaben der WPK bleiben damit bestehen. Dies ist ein wichtiges Signal für den Erhalt des freiberuflichen Kammersystems in Deutschland insgesamt.

Unter dem Gesichtspunkt des Erhalts der beruflichen Selbstverwaltung bestehen dagegen erhebliche Bedenken, dass mit dem neuen § 57 Abs. 4a WPO-E dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Möglichkeit eingeräumt werden soll, durch Rechtsverordnung Berufsausübungsregelungen in dem in § 57 Abs. 4 WPO-E genannten Umfang (Ermächtigung zum Erlass einer Berufssatzung) anstelle der WPK zu erlassen.

Dies ist mit den Kernprinzipien der Selbstverwaltung nicht zu vereinbaren, zu deren Grundpfeiler gerade das Recht gehört, Berufsregelungen zur Konkretisierung der gesetzlichen Berufspflichten in einer Berufssatzung selbst zu erlassen. Die Beibehaltung der Satzungskompetenz der WPK in § 57 Abs. 4 WPO-E wird auf diese Weise konterkariert und damit auch das ausgegebene Ziel, die Selbstverwaltung soweit wie möglich zu erhalten, zumal weder die Richtlinie noch die Verordnung ein solches Recht der „Ersatzvornahme“ zwingend vorschreiben. Die Einführung einer Verordnungsermächtigung für ein Ministerium neben der Satzungskompetenz des Berufsstands widerspricht auch der Rechtslage bei anderen verkammerten Freien Berufen, die eine derartige Beschneidung des Rechts der beruflichen Selbstverwaltung nicht kennen.

Im Interesse des Erhalts der Selbstverwaltung des wirtschaftsprüfenden Berufs und zur Vermeidung einer negativen Ausstrahlungswirkung auf andere verkammerte Freie Berufe sollte daher die vorgesehene Regelung des § 57 Abs. 4a WPO-E gestrichen werden.

2.       § 28 WPO-E

Wir begrüßen ausdrücklich, dass im Interesse der Unabhängigkeit und hohen Qualität der gesetzlichen Abschlussprüfung an den Regelungen zur Kapitalbindung bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften festgehalten werden soll. Besonders begrüßen wir, dass der Gesetzgebungsvorschlag des Instituts der Wirtschaftsprüfer e. V. (IDW), den Kreis der zulässigen Gesellschafter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft um in der Gesellschaft tätige Personen zu erweitern, ohne dass es auf die Berufsqualifikation dieser Personen ankommen soll, nicht aufgegriffen wurde.

Der Vorschlag des IDW würde die Kapitalbindung bei Wirtschaftsprüfungsgesell­schaften faktisch beseitigen, zumindest aber erheblich einschränken. Die Bundessteuerbera­terkammer lehnt eine solche Aufweichung der Kapitalbindung strikt ab, da sie die Unabhän­gigkeit des Abschlussprüfers, die durch die novellierte Abschlussprüferrichtlinie gerade ge­stärkt werden soll, erheblich gefährden würde. Denn nach vom IDW vorgeschlage­nen Mitarbeiterbeteiligungsmodell wäre der ausgeschüttete Gewinnanteil Bestandteil der Mit­arbeitervergütung, sodass der Mitarbeiter im eigenen wirtschaftlichen Interesse an einer mög­lichst hohen Rendite der Gesellschaft interessiert wäre. In diesem Fall bestünde daher die Gefahr, dass der Mitarbeiter dem eigenen Renditeinteresse den Vorrang vor der fachlichen und im Interesse des Mandanten gebotenen Berufsausübung geben würde.

Zudem unterliegen Mitarbeiter, die nicht den sozietätsfähigen Berufen angehören, keinen ge­setzlich geregelten Berufspflichten und keiner Aufsicht durch die Kammer bzw. der Berufsge­richtsbarkeit. Da diese Personen in der Regel über die berufsrechtlichen Regelungen keine detaillierte Kenntnis haben, besteht überdies die Gefahr, dass die Berufspflichten, wie z. B. die Verschwiegenheitspflicht nicht beachtet werden. Es bestünde somit die Gefahr, dass die berufsrechtlichen Grundsätze und Pflichten innerhalb der Gesellschaft nicht beachtet werden und es an einer effektiven Kontrolle fehlen würde. Im Übrigen verfolgt der Gesetzentwurf gerade das Ziel, die Aufsicht über die gesetzlichen Abschlussprüfer zu verschärfen, um dadurch auch die Unabhängigkeit der Abschlussprüfung zu stärken. Dieses Ziel würde aber konterkariert, wenn Gesellschafter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Personen sein könnten, die nicht dem Berufsrecht unterliegen und folglich auch nicht an die gesetzlichen Berufspflichten wie die Pflicht zur Unabhängigkeit und Verschwiegenheit gebunden sind.

Bei Umsetzung des Vorschlags des IDW würde der seit Jahrzehnten geltende Grundsatz, dass Gesellschafter einer Wirtschaftsprüfungs- bzw. Steuerberatungsgesellschaft nur die Angehörigen der sozietätsfähigen Berufe sein können, preisgegeben. Dieser Grund­satz ist kein alter Zopf, sondern hat seinen Grund darin, dass nur die sozietätsfähigen Berufe – Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechts- und Patentanwälte – einem weitgehend gemein­samen Berufsrecht unterliegen. Dies gilt insbesondere für die zentralen Kernpflichten zur Un­abhängigkeit und Verschwiegenheit.

Hinzu kommt das Folgende: Nahezu 90 % aller Wirtschaftsprüfer sind zugleich auch Steuerberater. Es wäre fatal, durch die partielle Freigabe der Kapitalbindung bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in einer für die beiden Freien Berufe so zentralen Frage zu unterschiedlichen berufsrechtlichen Regelungen zu kommen. Überdies müssten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die zugleich als Steuerbera­tungsgesellschaften anerkannt sind, diese zusätzliche Anerkennung zurückgeben, wenn sie Gebrauch von der neuen Regelung machen wollten. Es sollte daher an dem bisherigen Grundsatz festgehalten werden, dass die Berufsrechte von Wirtschaftsprüfern und Steuerbe­ratern gerade in Fragen der Kapitalbindung möglichst gleichlautend ausgestaltet werden.

Bei den Verhandlungen zur Novellierung der Abschlussprüferrichtlinie hat sich die Bundesre­gierung intensiv und erfolgreich für den Erhalt der Regelungen zur Kapitalbindung eingesetzt. Zudem hat die Europäische Kommission in Gesprächen mit der Bundessteuerberaterkammer deutlich gemacht, dass sie nicht die Absicht hat, die Regelung zur Kapitalbindung bei Steuerberatungsgesellschaften aufzuweichen. Eine Umsetzung des Vorschlags des IDW würde diese Bemühungen der Bundesregierung auf der europäischen Ebene nun konterkarieren bzw. wäre kontraproduktiv im Hinblick auf die Einlassung der Europäischen Kommission, dass an der Kapitalbindung bei Steuerberatungsgesellschaften nicht gerüttelt werden soll. Eine Öffnung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften für Gesellschafter, die nicht an das Berufsrecht gebunden sind, würde darüber hinaus den Zielen der Reform der Abschlussprüferrichtlinie widersprechen, die gerade die Unabhängigkeit der ge­setzlichen Abschlussprüfer stärken und einer weiteren Marktkonzentration im Bereich der Wirtschaftsprüfung entgegenwirken sollte.

Außerdem vermag die Begründung des IDW, dass schon nach gegenwärti­ger Gesetzeslage auch „ berufsfremde“ Personen, die von der WPK als Vertretungsorgan der Gesellschaft zugelassen wurden, Gesellschafter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sein können, nicht zu überzeugen. Denn hierbei handelt es sich um eine eng begrenzte Ausnahme für bestimmte Personengruppen, die der Genehmigung der WPK bedarf. Der Vorschlag des IDW zielt dagegen darauf ab, allen Mitarbeitern einer Wirtschaftsprüfungsgesell­schaft unabhängig von deren Berufsqualifikation zu ermöglichen, Gesellschafter zu werden. Er geht damit über die bisherige Regelung weit hinaus und würde zu einer unvertretbaren Aufweichung der Kapitalbindung führen.

Schließlich bestünde bei einer so weitgehenden Durchbrechung der Kapitalbindung die Gefahr, dass die Regelungen zur Kapitalbindung in ihrer Gesamtheit aufgrund der bestehenden Ausnahmen als inkohärent anzusehen sind. Aus verfassungsrechtlichen Gründen wären dann auch die verbleibenden Beschränkungen nicht mehr zu halten, sodass eine solche Gesetzesänderung einen Dammbruch zur Folge hätte.

Wir bitten Sie daher, den Vorschlag des IDW – wie dies auch der Gesetzentwurf der Bundesregierung vorsieht – nicht aufzugreifen.

3.       § 62 Abs. 4 WPO-E

§ 62 Abs. 4 Sätze 1 und 2 WPO-E bestimmt, dass die Angestellten der WPK sowie die sonstigen Personen, deren sich die WPK bei der Berufsaufsicht bedient, die Grundstücke und Geschäftsräume auch von Personen, die den Beruf gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern ausüben („gemischte Sozietät“), betreten und besichtigen, Einsicht in Unterlagen/gespeicherte Daten nehmen und hieraus Abschriften/Ablichtungen anfertigen können. Die berufsfremden Sozien haben nach § 62 Abs. 4 Satz 3 WPO-E diese Maßnahmen zu dulden.

Gegen diese Erweiterung des bisherigen § 62 Abs. 4 WPO auf Personen, die nach § 44b WPO den Beruf gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern ausüben, bestehen erhebliche rechtliche Bedenken. Denn die WPO würde damit – wie dies bei dem früheren, inzwischen geänderten § 44b Abs. 3 WPO auch der Fall war – berufsfremden Personen, die nicht unter den Geltungsbereich der WPO fallen, gesetzliche Berufspflichten (hier: Duldungspflicht) auferlegen. Die WPO würde dadurch die dem Gesetzgeber eingeräumte Regelungskompetenz überschreiten und in die Berufsordnungen anderer Berufe eingreifen.

Im Übrigen stellt die vorgesehene Duldungspflicht der berufsfremden Sozien einen unverhältnismäßigen Eingriff in deren Berufsausübungsfreiheit bzw. in das für eine sachgerechte Berufsausübung unverzichtbare Vertrauensverhältnis zwischen Mandant und Steuerberater dar.

Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil nach § 62 Abs. 3 WPO die Wirtschaftsprüfer-Sozien, die gesetzliche Abschlussprüfungen durchführen, die Auskunft und die Vorlage von Unterlagen, soweit diese mit der gesetzlichen Abschlussprüfung im Zusammenhang stehen, nicht unter Berufung auf die Verschwiegenheitspflicht gegenüber der WPK verweigern dürfen. Das Zutrittsrecht mag im Bereich der gesetzlichen Abschlussprüfung, die im öffentlichen Interesse durchgeführt wird, noch gerechtfertigt sein. Bei Steuerberatern, deren Aufgabe es ist, die steuerlichen Interessen ihrer Mandanten wahrzunehmen und bei denen die Verschwiegenheitspflicht zu den zentralen Kernpflichten gehört, ist dies hingegen nicht der Fall.

Schließlich besteht für die vorgesehene Erweiterung der Aufsichtsrechte auf Personen, die nach § 44b WPO den Beruf gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern ausüben, auch keine Notwendigkeit. Denn Gegenstand der Aufsicht und der damit zusammenhängenden Eingriffsbefugnisse ist die gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfung. Steuerberater sind hierzu aber nicht befugt und werden dementsprechend in diesem Bereich gar nicht tätig. Bei einem gemeinsamen Mandat lässt sich zudem die Steuer- und Wirtschaftsberatung von der gesetzlichen Abschlussprüfung trennen, sodass auch deshalb kein Bedürfnis besteht, die Eingriffsbefugnisse der WPK bzw. der neuen Abschlussprüferaufsichtsstelle auf Steuerberater zu erstrecken.

Wir plädieren deshalb dafür, die vorgesehene Erweiterung auf berufsfremde Sozien in § 62 Abs. 4 WPO-E zu streichen und den Anwendungsbereich der Regelung entsprechend dem Gegenstand der Aufsicht weiterhin auf die Personen zu beschränken, die zur gesetzlichen Abschlussprüfung befugt sind.

 

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