Stellungnahme/Eingabe

2019

Neue Definition der Umsatzerlöse

30.07.2019



Sehr geehrter Herr Dr. Eichholz,

wir bedanken uns für die Möglichkeit, entsprechend des Auftrages des Deutschen Bundestages die Praxisprobleme, die sich aus der geänderten Definition der Umsatzerlöse in § 277 Abs. 1 HGB ergeben, vortragen zu dürfen.

Die Bundessteuerberaterkammer hatte bereits maßgeblich an der Entwicklung eines modernen Bilanzrechts in Deutschland im Rahmen der Arbeiten zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz mitgewirkt. Da Steuerberater geborene Ansprechpartner ihrer Mandanten gerade für Unternehmen im Bereich der KMU für alle Fragen zur Rechnungslegung sind, betrifft sie die Neudefinition der Umsatzerlöse unmittelbar. Daher sind die praktischen Auswirkungen dieser Neudefinition der Umsatzerlöse für die Steuerberater und ihre Mandanten äußerst relevant.

Nachstehend zeigen wir diejenigen Probleme auf, die in der Praxis durch die Umstellung eingetreten sind.

Abgrenzungsprobleme

Nach wie vor bestehen in der Praxis Abgrenzungsprobleme zwischen einzelnen (Umsatz-)Er-lösen und sonstigen betrieblichen Erträgen. Dies ist insbesondere bei der Weiterbelastung von Aufwendungen zu beobachten.

Die Entkoppelung der Umsatzerlösdefinition vom (Kern)-Geschäftsmodell des Unternehmens hat u. a. zur Folge, dass auch Sachleistungen an Arbeitnehmer den Umsatzerlösen zuzuordnen sein können. Zu nennen sind auch z. B. Mieteinnahmen aus Untervermietung, die im Umsatz auszuweisen sind. Die entsprechenden anteiligen Mietaufwendungen sind als bezogene Leistungen im Rahmen des Gesamtkostenverfahrens oder als Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen (beim Umsatzkostenverfahren) auszuweisen.

Diese weite Fassung der Umsatzerlösdefinition beeinträchtigt die Darstellung der Ertragslage und verstößt damit gegen den Grundsatz des True and Fair View gem. § 264 Abs. 2 HGB.

Bei der Anwendung des Umsatzkostenverfahrens führt die Neudefinition der Umsatzerlöse zu Problemen bei der Abgrenzung der Herstellungskosten des Umsatzes.

Jahresabschlussanalyse

Für Zwecke der Jahresabschlussanalyse müssen die Umsatzerlöse vorab aufgespalten werden in solche aus der „Kerntätigkeit“ und aus der „übrigen Geschäftstätigkeit“. Nur so kann das Ergebnis aus dem Kerngeschäft letztlich analysiert werden. Viele Unternehmen müssen daher Überleitungsrechnungen erstellen, um die einschlägigen Kennzahlen zu ermitteln.

Ergebnis

Die Bundessteuerberaterkammer hatte bereits in ihrer Stellungnahme zum Referentenentwurf eines Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes auf die aus ihrer Sicht sich ergebenden Probleme der Neudefinition der Umsatzerlöse hingewiesen. Insbesondere hat sie vorgetragen, dass die vorgesehene Erweiterung der Umsatzerlöse zu Abgrenzungsproblemen und zu einer Änderung, bzw. zu einer erforderlichen Überleitung, der Kennzahlen eines Unternehmens führen. Diese Bedenken haben sich in der Praxis leider bestätigt.


Mit freundlichen Grüßen

i. V. Claudia Kalina-Kerschbaum                          i. A. Cornelia Metzing

Geschäftsführerin                                                  Referatsleiterin

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