Verein­­bare Tätig­­keiten

In den ver­gangenen Jahren sind die An­sprüche und Be­dürfnisse der Mandanten im Bereich der so­genannten verein­baren Tätig­keiten gewachsen. Um diesem Beratungs­bedarf gerecht zu werden, gewinnen die verein­baren Tätig­keiten immer mehr an Bedeutung im Kanzlei­portfolio eines Steuer­beraters.

Was sind verein­bare Tätig­keiten? Steuer­berater können neben den typischen beruf­lichen Auf­gaben auch bestimmte weitere Tätig­keiten ausüben. Sie werden „verein­bare Tätig­keiten“ (§ 57 Abs. 3 StBerG, § 15 BOStB) genannt und können neben den Vorbehalts­aufgaben (§ 33 StBerG) ausgeübt werden. Dazu zählen zum einen die frei­beruflichen Tätig­keiten als Wirtschafts­prüfer, Rechts­anwalt oder vereidigter Buch­prüfer, zum anderen Lehr-, Vortrags- und schrift­stellerische Tätig­keiten. Aber auch die auf den nach­folgenden Seiten dar­gestellten verein­baren Tätig­keiten fallen darunter.

Die Bundes­steuer­berater­kammer stellt dem Berufs­stand allgemeine Hin­weise für die Aus­übung verein­barer Tätig­keiten sowie besondere Hin­weise für die jeweilige verein­bare Tätig­keit zur Ver­fügung.

Betriebs­wirtschaft­liche Beratung

Ein Steuer­berater nimmt bei von ihm beratenen Unter­nehmen eine Schlüssel­rolle als attraktiver Problem­löser ein. Denn unabhängig von der Größe seines Unter­nehmens sieht sich jeder Selb­ständige permanent mit Steuer­fragen konfrontiert.

Um im Wett­bewerb bestehen zu können, benötigen ins­besondere kleine und mittel­ständische Unter­nehmen zunehmend umfassende betriebs­wirtschaftliche Beratung.

Steuer­berater kennen die betriebs­wirtschaftlichen Hinter­gründe der Unter­nehmen ihrer Mandanten sehr genau und können daher fundiert in vielen Bereichen helfen. Es gilt, die richtigen unter­nehmer­ischen Ent­scheidungen vorzu­bereiten und nützliche Hinweise verschie­denster Art zu geben. Beispiels­weise kann der Steuer­berater ermitteln, ob eine Investition weiter rentabel ist oder ob eine Förderm­öglichkeit für eine Unternehmens­erweiterung besteht. Er kann bei der Personal­planung helfen oder die Unternehmens­liquidität überwachen.

Oft begleiten Steuer­berater ihre Mandanten über Jahr­zehnte und sind mit deren wirtschaft­lichen und persönlichen Belangen eng vertraut. Für den Mandanten ist das ein Service aus einer Hand. Er muss nicht noch zusätzlich einen Unter­nehmens­berater hinzuziehen. Mandanten­befragungen ergeben regel­mäßig, dass zu keinem anderen Berater ein engeres Vertrauens­verhältnis besteht als zu ihrem Steuer­berater.

Die betriebs­wirtschaft­liche Beratung ist eine verstärkt nach­gefragte verein­bare Tätig­keit, die aus dem heutigen Aufgaben­spektrum des Steuer­beraters nicht mehr weg­zu­denken ist.
 

Finanzierungs­berater

Für Laien stellt die Suche nach der für sie passenden Finan­zierung für Vor­haben verschie­denster Art oft ein großes Hindernis dar.

Hier heißt es nicht nur die Angebote unter­schiedlicher Darlehens­geber zu vergleichen, sondern auch eine für die eigenen Möglich­keiten passende Finanzierungs­art auszu­wählen.

Ein guter Ansprech­partner dafür ist der Steuer­berater. Er hilft als Finanzierungs­berater, den Finanzierungs­bedarf zu ermitteln, mittel- und langfristige Finanzierungs­konzepte zu erstellen, Fremd­kapital zu beschaffen und das Finanzierungs­controlling zu über­nehmen.

Unabhängig davon, ob eine Privat­person oder ein Unter­nehmer eine Finan­zierung zum Kauf einer Eigentums­wohnung oder eines Hauses oder eine Neu­bau­finan­zierung anstrebt, eine Immo­bilie als Kapital­anlage erwerben möchte, eine Anschluss­finanzierung benötigt oder einfach nur umschulden möchte: Im unter­nehmerischen Bereich kann ein Steuer­berater über Förder­möglich­keiten und Sub­ventionen oder auch bei der Existenz­gründung beraten. Prak­tischer Zusatz­effekt dabei ist, dass er die steuer­recht­lichen Aspekte immer genau im Blick hat.

Mandanten nutzen die verein­bare Tätig­keit der Finan­zierungs­beratung besonders häufig bei ihrem Steuer­berater.

Die Bundes­steuer­berater­kammer stellt dem Berufs­stand allge­meine Hin­weise für die Aus­übung verein­barer Tätig­keiten und besondere Hin­weise für die jeweilige verein­bare Tätig­keit zur Ver­fügung:
 

Mediator

Die Tätig­keit als Mediator ist eben­falls eine verein­bare Tätig­keit für Steuer­berater. Der Begriff "Mediator" stammt aus dem Latein­ischen und wird von „medius“ abge­leitet. Medius bedeutet: sich neutral ver­halten oder einen Mittel­weg einzu­schlagen. Der Medi­ator nimmt dem­zufolge eine Funktion als „Mittler“ (nicht Streit­schlichter) wahr.

In ähnlicher Weise können Steuer­berater auch in schieds­richter­lichen Verfahren nach den §§ 1025 ff. der Zivil­prozess­ordnung (ZPO) tätig sein. Schieds­gerichte sind auf vertrag­licher Verein­barung beruhende Privat­gerichte, denen die Ent­scheidung bei Streitig­keiten über­tragen wird, um die Anrufung der staatlichen Gerichte zu vermeiden. Aufgrund der Berufs­ordnung der Steuer­berater können diese verein­baren Tätig­keiten nur dann aus­geübt werden, wenn eine ent­sprechend fundierte und anerkannte Aus­bildung zum Mediator absolviert wurde bzw. die erforder­liche Sach­kunde vorhanden ist.

Die verein­bare Tätig­keit als Mediator erfreut sich im Berufs­stand einer stetig wachsenden Nachfrage.

Die Bundes­steuer­berater­kammer stellt dem Berufs­stand allge­meine Hin­weise für die Aus­übung verein­barer Tätig­keiten und besondere Hin­weise für die jeweilige verein­bare Tätig­keit zur Verfügung:
 

Sach­verständiger

Steuer­berater können als Sach­verständige durch ein Gericht, von Behörden oder aufgrund privat­rechtlicher Verein­barung bestellt werden. Im Regel­fall handelt es sich dabei um die Beur­teilung steuer­rechtlicher Angelegen­heiten.

Er wird zu Verfahren hinzu­gezogen, erstellt Gut­achten oder sagt zur Sache aus.

Jeder Betätigungs­bereich unterliegt bestimmten rechtlichen Voraus­setzungen, die beispielsweise in der Zivil­prozess- (ZPO), Straf­prozess- (StPO) und der Finanz­gerichts­ordnung (FGO) zu finden sind.

Eine verein­bare Tätig­keit als Sach­verständiger wird vor­nehmlich im öffentlich-rechtlichen Bereich aufgrund der hohen steuer­rechtlichen Kompetenz von Steuer­beratern wahr­genommen.

Die Bundes­steuer­berater­kammer stellt dem Berufs­stand allge­meine Hin­weise für die Aus­übung verein­barer Tätig­keiten und besondere Hin­weise für die verein­bare Tätig­keit als Sach­verständiger zur Verfügung.

Insolvenz­verwalter

Not­wendig sind Tätig­keiten des Steuer­beraters als Insolvenz­verwalter oder Liquidator. Im Falle einer Zahlungs­unfähigkeit des Schuldners erfolgt eine gerichtliche Bestellung als Insolvenz­verwalter nach der Insolvenz­ordnung (InsO).

Er entscheidet über die Fort­führung oder die Liqui­dation des Unter­nehmens. Der Steuer­berater kann auch, solange ein Insolvenz­verfahren noch nicht eröffnet ist, zunächst als Sach­walter bestellt werden. Der Sach­walter prüft u. a. die wirt­schaftliche Lage des Schuldners und überwacht die Geschäfts­führung und die Aus­gaben für die Lebens­führung.

Manchmal übt der Steuer­berater auch die Funktion eines Zwangs­verwalters durch Bestellung durch das Zwangs­vollstreckungs­gericht nach dem Zwangs­verwaltungs­gesetz (ZwVwG) aus. Dabei wird anstelle des Schuldners die Ver­waltung und Nutz­nießung des Grund­besitzes zur Sicherung der Gläubiger­rechte wahr­genommen.

Im Sach­zusammen­hang damit steht auch die Tätig­keit als Sanierungs- und Insolvenz­berater in Krisen­situationen eines Unter­nehmens. Durch Prüfung der bilanziellen Situation stellt der Steuer­berater fest, ob die Sanierung des Unter­nehmens möglich ist oder eine Unter­bilanz, eine Über­schuldung oder Zahlungs­unfähigkeit vorliegt oder droht. Der­artige Tätig­keiten sind nicht Bestand­teil des üblichen Mandats und erfordern je nach Situation eine indi­viduelle Beratung. Im Fall einer Prog­nose, dass eine Fort­führung des Unter­nehmens möglich ist, kann der Steuer­berater einen Sanierungs­plan erstellen.

Die Bundes­steuer­berater­kammer stellt dem Berufs­stand allgemeine Hin­weise für die Ausübung verein­barer Tätig­keiten und besondere Hin­weise für die jeweilige verein­bare Tätig­keit zur Ver­fügung:
 

Nachlass­verwalter

Die Nachlass­verwaltung durch den Steuer­berater verfolgt zum einen den Zweck, die Nachlass­gläubiger zu befriedigen, und dient zum anderen dazu, die Haftung des Erben gegen­über den Nachlass­gläubigern auf den Nach­lass zu beschränken – also der Trennung des Nach­lasses von dem vorhandenen Vermögen des Erben.

Aus diesem Grund erhält nur der vom Nachlass­gericht zur Nachlass­verwaltung (§§ 1975 ff. BGB) bestellte Steuer­berater die Verfügungs­gewalt über den Nach­lass.

Die Haupt­aufgabe des Steuer­beraters als Testaments­vollstrecker ist die Aus­führung der letzt­willigen Ver­fügungen des Erb­lassers (§ 2203 BGB). Ihm obliegt es, den Nach­lass im Rahmen einer Abwicklungs- oder Auseinander­setzungs­vollstreckung bzw. Dauer­voll­streckung zu verwalten und entsprechende Ver­fügungen vorzunehmen, bis die ihm im Testa­ment auf­erlegten Auf­gaben erledigt sind.

Die Bundes­steuer­berater­kammer stellt dem Berufs­stand allge­meine Hin­weise für die Aus­übung verein­barer Tätig­keiten und besondere Hin­weise für die jeweilige verein­bare Tätig­keit zur Verfü­gung:
 

Weitere Tätig­keiten

Der Katalog der verein­baren Tätig­keiten, die durch Steuer­berater neben ihren typischen Vor­behalts­aufgaben ausgeübt werden können, ist sehr vielfältig.

Einige Tätig­keiten, wie beispiels­weise die betriebs­wirtschaftliche Beratung, werden sehr häufig durch­geführt. Hingegen wird die Prüfung von Voll­ständig­keits­erklärungen nach dem Verpackungs­gesetz nur von wenigen spezialisierten Steuer­beratern wahr­genommen. Sie vergleichen die im Kalender­jahr von Her­stellern in Verkehr gebrachten Mengen von Verkaufs­verpackungen mit den geleisteten Ab­gaben an das Duale System.

Zusätzlich zu den näher beschriebenen Tätig­keiten existieren noch folgende verein­bare Tätig­keiten, zu denen die Bundes­steuer­berater­kammer neben allge­meinen auch besondere Hin­weise für den Berufs­stand zur Verfügung stellt.